Chronik des Vereins

Gründung und Chronik

von Rupert Staudhammer sen.

 

Der Zweite Weltkrieg mit seinen furchtbaren Verwüstungen und unersetzlichen Opfern war vielleicht ein Jahr vorbei. In allen Städten und Dörfern unseres lieben Heimatlandes waren noch die amerikanischen Besatzungsmächte und übten ihre unerbittliche Macht aus, ob in der öffentlichen Wirtschaft, wie auch im Privatleben.

Trotz der tiefen Wunden und der anfänglichen Schwierigkeiten wuchs bald neues Leben, und die langentbehrte freiheitliche Lebensfreude unseres altbayerischen Menschenschlages begann allmählich wieder zu blühen. In manchen Orten und Gemeinden fing man wieder mit der Aufführung von Heimatabenden und Theatern an.

Der Gedanke an Zusammengehörigkeit in unserem zertrümmerten Gesellschaftsleben erwachte in uns jungen Menschen wieder, welche noch das große Glück hatten, aus dem unerbittlichen Morden des Krieges in ihre geliebte Heimat und zu den lieben Angehörigen zurückzukehren im vollen Umfange.

Der Krieg und besonders seine politische Führung hatten es ja fertig gebracht, in den Jahren der Vergangenheit alles Vereinsleben und menschliches Gefühl für Gesellschaftsfreuden zu zerstückeln und in utopischer Weise nur noch Uniformen und Organisationen unerbittlich den Platz befohlen.

Das Vergangene loderte in uns. Es gab nur einen Weg aus dem Niedergang, wieder in das alte Gesellschaftsleben zurückzukommen: "einen Verein zu gründen".

Uns so kam es auch eines Tages: Damals führen wir mit unseren Fahrrädern vom Theater in Guttenburg heim. Es waren uns eine gute Handvoll junger Burschen. Ich kann nicht mehr bestimmt alle mit Namen sagen, aber die, die ich noch weiß sind Josef Pfau, Hans Bernhart, Unterstar; Anton Linner, Garrer; Georg Bernhart, Schmidberg; Schrankl Hans oder Georg von Aigl, Franz Steiglechner, Kargsinn; Matthias Gruber, Steiglehen und ich.

 

Das Theater und die Aufmachung hatte uns gut gefallen. Wir wollten nun auch so etwas fertig bringen. Nach langem hin und her beschlossen wir, beim Leitlwirt eine Versammlung zu organisieren, zu einer Aussprache oder ähnlichem. In der nächsten Zeit kam es auch dazu. Es war an einem Dienstag abends. Die Stube war ganz voll beim Leitl. Ich habe dann den Leuten unser Vorhaben, einen Verein zu gründen, erläutert und fand wirklich auch guten Anklang und Beifall. Wirklich gut war der Gedanke auch bei der älteren Generation damals aufgenommen worden.

 

Wir haben uns dann noch einmal über vieles Anstehende unterhalten, und so sink wir dann 14 Tage später noch einmal zusammengekommen. Mit der Gründung wurden wir aber wieder nicht eins. Es ging eben um die Vorstandschaft. Ich weiß noch, dass ich als Vorstand ablehnte, da es eben einer sein soll, der alle Leute, jung und alt, hinter sich zusammenbringt und auch von Berufswegen gut Zeit dafür hat. So kam dann ein Vorschlag vom Uttinger und auch von uns jungen, eben Alois Weiß zu gewinnen. Alois Weiß war damals noch nicht in unserer Gruppe.

Natürlich versuchten wir nun immer wieder in Gesprächen den Alois für unseren Verein als Vorstand zu interessieren. Er lehnte dies aber anfangs strikt ab. Wir wussten natürlich zu gut, dass er durch sein Limonadengeschäft in der ganzen Gemeinde mit Jung und Alt, Mädchen und Frauen, immer in guter Verbindung war und das eben für den Verein nur zum Vorteil sein konnte. Außerdem war er der Mann, der als Vorstand die meisten Vorzüge zu Führung des Vereins hatte. Wir waren doch auch alle der Meinung und des guten Willens, für den neuen Verein das beste zu tun.

 

Es waren aber noch verschiedene Anschauungen wegen des Vereins vorhanden. So lag eben noch in der Luft, ob wieder ein Radlerverein, oder doch ein Trachtenverein gegründet werden sollte. Einen Radlerverein mit Standarte gab es schon vor dem Krieg bei uns in Oberneukirchen. Wir aber wollten einen Verein, wo eben Alt und Jung in Brauchtumspflege mit guter Sitte bei Musik und Gesang ihre innere Haltung fanden. Diese Überlegungen führten dann in die Gründung eines Trachtenvereins. Zudem stand auch in unserer Vorstellung das Platteln, wo eben obendrein noch der Berger Kuni, Schriftsetzer bei der Druckerei Geiger in Mühldorf, uns dieses lernen wollte.

Berger Kuni war ein Kriegskamerad von Hans Schrankl und verkehrte nach dem Krieg viel beim Aigl. Er kam in der schlechten Zeit eben auch zum Hamstern.

 

Nun dauerte es bis zur wirklichen Gründung des Vereins nur noch eine kurze Zeit. Nach der zweiten Versammlung beim Leitel, gingen dann Franz Steiglechner, Josef Pfau, Matthias Gruber und ich nochmals zum Weiß Alois und fragten ihn wirklich im Ernst, ob er nun den Vorstand im neuen Verein übernehmen wolle. Nach längerem Reden gab er dann seine Zusage. Bald darauf hielten wir dann beim Leitl die Gründungsversammlung mit dem ersten Vorstand "Alois Weiß", zweiter oder Stellvertreter wurde ich, Schriftführer und Kassier Matthias Gruber und Engelbert Hopf.

 

Dann ging man auch gleich an den Aufbau des Vereins nach innen und nach außen. Es kamen Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, aber alle diese Anfeindungen von innen und außen konnten dem Verein nichts anhaben, denn wir standen und hielten treu und fest zusammen.

Als Vereinslokal war die Gastwirtschaft Leitl für uns da.

Hier lernten wir nun zweimal wöchentlich an Abenden platteln und dazu auch mit den Dirndeln das "Mühlradl" und mehr. Es war eine sehr schöne und lustige Zeit.

 

Bald kamen nun auch die Sorgen wegen der Tracht. Eine reine Ortstracht war eben nicht da und so suchte man nun einen anderen Ersatz. So kam man dann eben auf die ersten schwarzen und weißausgestrickten Jacken (der Miesbacher Tracht nachempfunden). Man konnte damals nichts, aber gleich gar nichts kaufen. So suchte man eben nach Auswegen. Es waren auch die schwarzen, alten Feuerwehrjoppen, welche zu Großteil privat waren, da, und diese wurden dann eben für die Tracht umgeschneidert.

Die ersten gestrickten Jacken machte uns Frau Tietze, eine Flüchtlingsfrau und Schneiderin.

Weiter wurden dann auch Militärsmäntel, welche vorhanden waren, schwarz gefärbt und auch für Trachtenjacken von Schneidern umgerichtet.

Für die Knöpfe wurden alle Hirschgeweihe organisiert und auch von den Dachböden geholt, welche dann Josef Pfau mit viel Mühe und Schmiere machen ließ.

Zu den Dirndlröcken wurden die alten Kopftücher unserer Eltern und Großeltern gesucht und verwendet. Leider waren diese nicht allzu viele. Aber mit Mühe und Fleiß kam jeder mit der Zeit auf seine Tracht. Natürlich mit den Trachten- oder Talerketten war das noch viel schwieriger. Aber auch dies wurden durch Tausch und Hamstern erstanden. So schaffte man eben Stück um Stück an, und bald war es soweit, dass der Verein geschlossen mit eine, Heimatabend an die Öffentlichkeit treten konnte.